| Title: | Was verraten unsere Lieblingsgeschichten über unser Leben? : der reminiszente Einsatz von Lieblingsgeschichten als Methode zur Erschließung persönlicher Biografien in gesprächsbasierten Interventionen ; Entwurf eines Methodenkonzeptes | Language: | German | Authors: | Seibert, Lotta | Issue Date: | 9-Jan-2026 | Abstract: | Nachdem im ersten Teil die Forschungsfrage nach der möglichen Effektivität eines reminiszenten Einsatzes von Lieblingsgeschichten zur niedrigschwelligen Aufschlüsselung der Biografie in gesprächsbasierten Interventionen aus theoretischer Sicht positiv beantwortet wurde, erfolgte im zweiten Teil nun ein Vorschlag für die Umsetzung, welchen es nun abschließend zu bewerten gilt, um auch die Implikation in der Praxis begründen zu können. Es ließen sich Bedarfe aus der Perspektive der Lebensweltorientierung besonders hinsichtlich niedrigschwelliger, personenzentrierter Ansätze feststellen, die sich mit biografischen Lebensereignissen beschäftigen und die den Raum von gesprächsbasierten Interventionen durch alltagsbezogene, alternative Ansätze zu verändern. Das vorgestellte Methodenkonzept beantwortet diesen, indem es eine kreative, bedürfnisorientierte und individualisierbare Methode vorstellt, die unabhängig von Professionen und Institutionen eingesetzt werden kann. Das liegt unter anderem daran, dass die theoretische Fundierung, die eine mögliche Wirksamkeit bestätigt, sich aus verschiedenen Bezugswissenschaften, besonders der Sozialen Arbeit und Psychologie zusammensetzt, um die Vorteile ebendieser zur Lückenfüllung zu nutzen. So verbindet die Methode positive psychologische Ansätze mit humanistischen, partizipatorischen Handlungsweisen und Alltagsnähe durch die Einbindung der individuellen Lieblingsgeschichten, um eine möglichst effektive Grundlage für die Gesprächsführung zu schaffen. Dabei wird Fachkräften ein Handlungsleitfaden inklusive Vorschlägen zur Auswertung der Narrative gegeben, sodass die Implikation nicht von der Ausbildung der jeweiligen Profession abhängig ist. So ist eine offen und vielseitig einsetzbare Methode entstanden, welche Fachkräften den Gesprächsprozess erleichtern soll. Die Methode hat dabei nicht den Anspruch standardisiert eingesetzt zu werden, da sie das aufgrund von verschiedenen Faktoren auch nicht leisten könnte. Zum einen ist die Methode nur bei einer Zielgruppe mit ausreichend Interesse an fiktionalen Geschichten möglich, zum anderen kann sie aufgrund der Offenheit und Individualisierbarkeit wenig systematisiert eingesetzt werden, besonders in institutionellen Settings. Dennoch steckt viel Potenzial hinter den Ansätzen der Methode, wie auch die theoretische Fundierung zeigt. Auf der theoretischen Ebene des Konzeptes wurde sich bemüht, den hohen Zielen des Konzeptes gerecht zu werden. Ob die praktische Umsetzung der Methode dem entsprechen kann, kann nicht abschließend beurteilt werden. Zukünftig gesehen könnte beispielsweise mittels von Pilotprojekten ein Versuch der Umsetzung gestartet werden, um die Wirksamkeit und Praktikabilität in einzelnen Einrichtungen zu testen. Im Rahmen dessen könnten bei Bedarf auch weitere Maßnahmen zur Qualitätssicherung mittels Evaluation entwickelt werden, etwa zusätzliche Fortbildungen von Fachkräften zur Implikation der Maßnahmen oder weiter entwickelte Leitfäden zur Anwendung. Denn durch die Handlungsanweisung mit spezifischen Vorschlägen für Fragestellungen und Auswertungsmethoden und die klaren ethischen Standards legt das Konzept die Grundlage für die Qualifizierung von Fachkräften zur Implikation der Methodik, jedoch ist diese auch von den individuellen Bemühungen von Fachkraft und Adressat:in abhängig. Nur durch praktische Anwendung können beispielsweise auch bestimmte Anpassungen vorgenommen werden, um die Methodik für verschiedene Einrichtungen zu standardisieren. Bis dahin bleibt sie allerdings offen gestaltet, und bietet trotz allem Fachkräften die Option, sie für die persönliche Praxis anzuwenden und zu individualisieren. Denn insgesamt gesehen kann für die individuellen „Methodenkoffer“ von gesprächsleitenden Personen besonders in Bezug auf die Zielgruppe von an fiktionalen Geschichten interessierten Menschen ein echter Mehrwert entstehen. Denn wie bewiesen sind Geschichten ein großer Teil des menschlichen Daseins und sind ebenso stark mit der Identitätsentwicklung und somit auch der Biografie verbunden. GoSschall (2012) beschreibt in seinem Buch „The storytelling animal“ den starken Effekt von fiktionalen Geschichten sehr treffend: „How odd it is, I thought, that a story can sneak up on us on a beautiful autumn day, make us laugh or cry, make us amorous or angry, make our skin shrink around our flesh, alter the way we imagine ourselves and our worlds.” (GoTschall 2012, 5) Es besteht also die Möglichkeit für Geschichten, besonders Lieblingsgeschichten, die einen in einer oder mehreren Lebensphasen begleitet haben, einiges über das Leben eines Menschen zu erzählen, insbesondere hinsichtlich der Identitätsentwicklung. Und auch wenn das vorliegende Methodenkonzept keine universelle Lösung für alle Probleme der gesprächsbasierten Interventionen bieten kann, zeigt es doch eine Option auf, Biografien mittels Lieblingsgeschichten zu entschlüsseln und validiert damit eine Implikation ebendieser in der Praxis. |
URI: | https://hdl.handle.net/20.500.12738/18624 | Institute: | Fakultät Wirtschaft und Soziales (ehemalig, aufgelöst 10.2025) Department Soziale Arbeit (ehemalig, aufgelöst 10.2025) |
Type: | Thesis | Thesis type: | Master Thesis | Advisor: | Radeiski, Bettina | Referee: | Vaudt, Susanne |
| Appears in Collections: | Theses |
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