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Title: Racist profiling : wenn die Ausnahme zur Regel wird ; Erfahrungen von Menschen mit prekärem Aufenthaltsstatus mit der Polizei auf St. Pauli Süd
Language: German
Authors: Kahrmann, Moana 
Issue Date: 26-Jan-2026
Abstract: 
In dieser Arbeit wird Rassismus als gesellschaftliches Strukturprinzip und institutioneller Rassismus als Analyseperspektive genutzt, um die Rolle der Polizei in Deutschland und ihre Involvierung in rassistische Strukturen zu beschreiben. Dabei wird herausgearbeitet, dass Praktiken des Racist Profiling in Kombination mit restriktiven Asyl- und Migrationsbestimmungen zu einer Materialisierung der EU-Außengrenzen im Lokalen führen. Die Markierung St. Pauli Süds als „gefährlicher Ort“ und der Einsatz der „Task Force Betäubungsmittelkriminalität“ führt zu einer omnipräsenten Polizei, die die maßgebliche Definitionsmacht darüber besitzt, wer als „gefährlich“ markiert wird. Vor diesem Hintergrund wurden auf Basis einer Untersuchung von fünf Gruppeninterviews mit Personen mit prekärem Aufenthaltsstatus die Erfahrungen mit der Polizei im Hamburger Stadtteil St. Pauli Süd analysiert. Neben Schilderungen erlebter Polizeikontrollen, berichten die Interviewten, welche Umgangsweisen sie mit den Kontrollen gefunden haben und welche kurz- und langfristigen Auswirkungen diese haben. Durch ihre Analysen und Einschätzungen zeichnen die Interviewten ein differenziertes Bild davon, wie institutioneller Rassismus innerhalb der Polizei in Form von Racist Profiling ihr Leben und ihren Alltag maßgeblich einschränkt. Herausstechend ist dabei die klare, eigenständige Benennung der rassistischen Hintergründe der erlebten Kontrollen und die damit verbundene Politisierung und Entindividualisierung der eigenen Problemlagen. An ein Verständnis von Sozialer Arbeit als „Grenzbearbeiterin“ anschließend, wurden dementsprechend Möglichkeiten für die Profession und Disziplin Sozialer Arbeit abgeleitet, die die interviewte Personengruppe weiterführend bei der Politisierung unterstützen.
Im Kontext der aktuell diskutierten weiteren Verschärfungen im Asyl- und Migrationsrecht ist von einer Intensivierung der Versicherheitlichung sozialer Problemlagen auszugehen, die maßgeblichen Einfluss auf das Verhalten der Polizei und die ihnen zugesprochenen Rechte nehmen wird. Die in dieser Thesis lediglich angerissene Involvierung lokaler Polizeibehörden in Grenzregimepraktiken und die damit korrespondierende professionelle Herausforderung der Sozialen Arbeit, diese Grenzen im Interesse ihrer Adressat*innen zu bearbeiten und zu dekonstruieren, wird damit voraussichtlich an Bedeutung gewinnen und wäre weiter zu untersuchen. In Anknüpfung an das Postulat der TRANSIT MIGRATION Forschungsgruppe bezüglich einer Lokalisierung der Grenzregimeforschung, wäre eine regionalspezifische Untersuchung in Hamburg von wissenschaftlichem Interesse. Für zukünftige Forschungsvorhaben bietet sich in diesem Themenfeld zudem eine vertiefende Untersuchung des komplexen Verhältnisses zwischen Sozialer Arbeit und Polizei an. Dabei könnte die Einnahme abolitionistischer Perspektiven auch in Bezug auf Soziale Arbeit fruchtbar sein, um die Involvierung der Profession und Disziplin in Unterdrückungs- und Machtverhältnisse weitergehend zu untersuchen. Partizipative Forschungsansätze eignen sich durch Prinzipien wie die Enthierarchisierung von Wissensformen und die Betonung der Eigenwilligkeit und Eigensinnigkeit der Beteiligten, insbesondere für Soziale Arbeit, um Stimmen und Perspektiven marginalisierter Gruppen in den Diskurs einzubringen und damit vermeintlich persönliche Betroffenheiten zu entindividualisieren und zu politisieren. Diesem Ansatz folgend sollen die Ergebnisse dieser Masterarbeit in Zusammenarbeit mit der kollaborativen Forschungsgruppe auf St. Pauli dafür genutzt werden, Racist Profiling und die damit einhergehende Materialisierung gesellschaftlicher Grenzpraktiken, trotz – oder gerade wegen – aller befürchteten gesellschaftlichen Verschärfungen weiterhin zu kritisieren und zu bearbeiten, um diese Grenzen schließlich gemeinsam zu überwinden. “Together we can fight this” (I5: B1, 233)
URI: https://hdl.handle.net/20.500.12738/18707
Institute: Fakultät Wirtschaft und Soziales (ehemalig, aufgelöst 10.2025) 
Department Soziale Arbeit (ehemalig, aufgelöst 10.2025) 
Type: Thesis
Thesis type: Master Thesis
Advisor: Panagiotidis, Efthimia 
Referee: Betscher, Silke Mirjam 
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