Verlagslink DOI: 10.28937/978-3-7873-4938-8
Titel: Radikalität und der Riss zwischen Theorie und Praxis : eine unerhörte Kulturphilosophie : antiker Aktivismus, frühchristliche Militanz, venezianischer Maskengebrauch : 399 v. Chr. - 1797 n. Chr.
Sonstige Titel: Radicalism and the rift between theory and practice : an unheard-of cultural philosophy : ancient activism, early Christian militancy, Venetian mask-wearing : 399 BC – 1797 AD.
Sprache: Deutsch
Autorenschaft: Schaub, Mirjam 
Schlagwörter: Radikalität; Kulturphilosophie; Riss zwischen Theorie und Praxis; Antiker Aktivismus; frühchristliche Militanz; venezianischer Maskengebrauch; Selbstgeißelung; Selbstverbrennung; Visionserzwingung; radikale Endzeiterwartung; libertinäre Praktiken im Schutz einer Maske, die anonymisiert, nicht typisiert
Erscheinungsdatum: 17-Nov-2025
Verlag: Felix Meiner Verlag
Zusammenfassung: 
Radikalität erklärt sich nicht durch Persönlichkeitspsychologie allein, erschöpft sich nicht in Sozialpathologie. Schillernd und fremd, lässt sie sich zu allen Zeiten und in allen Kulturen mit ihrem Hang zum Unbedingten beobachten. Fast immer wirkt sie anstößig, wenn auch in Philosophie und Kunst freundlicher als in Religion, Politik, Gesellschaft. Sie bringt Entferntes in Rufweite, verteilt die Gewichte neu. Verblüffend früh tauchen in der Kulturgeschichte populäre Formen temporärer Anonymisierung, Uniformierung und Kollektivierung als radikale Artikulationsformen auf. Dadurch werden clevere Formen der Unerpressbarkeit ins Werk gesetzt. So führt etwa die Guy-Fawkes-Maske des Hackerkollektivs ›Anonymous‹ überraschend direkt zurück zur venezianischen Gesellschaftsmaske des 14. Jahrhunderts: Lange vor dem digitalen Zeitalter erlaubt diese Maske mit analogen Mitteln, sich in aller Öffentlichkeit unbehelligt zu bewegen. Sie suspendiert personale Verantwortlichkeit. Wer seine Komplizen gar nicht erst kennt, kann niemanden verraten. Eine solch selbst-ironische ›Teilzeitradikalität‹ setzt auf Selbstdistanzierung, unpersönliche Formen der Interaktion und auf ein Vertrauen, das absichtlich blind ist. Damit geraten kulturelle Selbstverständlichkeiten ins Wanken, die radikaler Unbeirrbarkeit, Anonymität und Unpersönlichkeit traditionell wenig Wertschätzung entgegenbringen. Auf den Spuren einer so verstandenen smarten Radikalität tauchen die Leserinnen und Leser des Buches ein in unterschiedliche Jahrhunderte und Örtlichkeiten: in das Griechenland des 4. Jahrhunderts v. Chr. und seine staubigen Marktplätze, in das frühe Christentum Nordafrikas und seine geweißten Altäre, in die illustren Riten Venedigs zu Zeiten der Pest, in die Wachsfigurenkabinette des 19. Jahrhunderts und den Grusel von Westminster Abbey, in die knarzenden Gerichtssäle der 1968er Jahre in West-Berlin, in denen allein das Aufstehen der Wahrheitsfindung dient. Die Kulturgeschichte verzeichnet zu Unrecht vergessene Pendelbewegungen, die zwischen einem ernsten, rigiden Verständnis von Radikalität und einem smarten, erfinderischen Pool selten ruhen. Denn es gibt nicht nur tat-, körper- und personenbezogene, sondern auch bislang wenig beachtete, elegant administrative, institutionelle, mechanische Formen von Radikalität. Sie alle gebrauchen Radikalität je anders – mit Folgen für ihre soziale Akzeptanz. Was für Philosophie und Kunst als nötiger ›Distinktionsgewinn‹ in Form radikaler Werke durchgeht, ist für Religion, Politik und Gesellschaft noch lange nicht akzeptabel. Das Buch schlägt dazu historisch verblüffende Bögen, die gründlich diskutiert werden.
URI: https://hdl.handle.net/20.500.12738/18757
ISBN: 978-3-7873-4939-5
978-3-7873-4938-8
3-7873-4938-3
Ausgabe / Version: 1. Auflage
Begutachtungsstatus: Diese Version wurde begutachtet (fachspezifisches Begutachtungsverfahren)
Einrichtung: Fakultät Design 
Dokumenttyp: Buch
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