Fulltext available Open Access
DC FieldValueLanguage
dc.contributor.advisorSchwarting, Frauke-
dc.contributor.authorBröckel, Luca-
dc.date.accessioned2026-02-02T10:35:42Z-
dc.date.available2026-02-02T10:35:42Z-
dc.date.created2025-06-27-
dc.date.issued2026-02-02-
dc.identifier.urihttps://hdl.handle.net/20.500.12738/18769-
dc.description.abstractZum Ende dieser Arbeit soll die im vorherigen Abschnitt vorgenommene strukturierte Darstellung der zentralen Ergebnisse der qualitativen Untersuchung bilanziert werden und mit dem eingangs formulierten Forschungsanliegen rückgekoppelt werden. Erinnert sei an die zentrale Formulierung des Problems: Es ist davon auszugehen, dass aktuell tausende Freiwillige mit internationalem Hinter-grund in der heutigen FWD-Landschaft jährlich einen Dienst für Deutschland leisten und dabei vor großen Herausforderungen stehen, sich individuellen Risiken aussetzen und nicht adäquat (sozial-)pädagogisch betreut werden und an die Zielsetzung der Untersuchung: Eine fokussierte Erhebung der individuellen Lebenslage internationaler Freiwilliger. In Abschnitt 11 wurde zudem ein Vorgehen in Schritten beschrieben (nach Wendt 1988), bei dem nach Darstellung der Ergebnisse und gleichzeitiger in Bezugnahme der strukturellen Rahmung eine abschließende Einschätzung der Lage durch den Forschenden vorgenommen werden soll. Diese Einschätzung soll hier erfolgen. Im Zuge der vorliegenden Forschung wurden diverse Ausprägungen individueller Lebenslage qualitativ erhoben; sie sind in Abschnitt 16 aufgeführt und durch Hinzunahme einiger Interviewausschnitte illustriert. Erinnert sei daran, dass vom Verfasser eine spezielle Strukturierung vorgenommen wurde (s. Kapitel III); bei einer veränderten Strukturierung würden voraussichtlich andere Erkenntnisse aus derselben Datengrundlage in den Vordergrund rücken. Das nach Analyse des Forschungsvorhabens formulierte Problem kann in seiner Existenz für die hier untersuchte Zielgruppe bestätigt werden. Die in Abschnitten 6.1 bis 6.4 abgebildeten Wirkungsweisen der FWD-Praxis finden sich in den PZIs wieder, besonders die aus der strukturellen Rahmung der FWD resultierende Herausforderungen und Belastungen wurden aufgrund der Problemzentrierung thematisiert. Die vier befragten Freiwilligen sind besonders betroffen von: • Finanziellen Notlagen aufgrund des geringen FWD-Entgelts (s. Abschnitt 16.4) o Verschärft durch das Fehlen von gestellten Unterkünften in regulären Dienstformen (in Hamburg) • Erfahrungen von Mangel und Verzicht im Alltag (s. Abschnitt 16.5) • Psychischen Belastungen (s. Abschnitt 16.5.3 & 16.7.1) • Diskriminierung beziehungsweise Rassismus (s. Abschnitt 16.7.3) • Strukturell bedingten, als belastend wahrgenommenen Herausforderungen (s. Ab-schnitt 16.7) Die Befragten fühlten sich in ihrer Dienstzeit nicht „exotisiert“, wie in anderen Forschun-gen herausgearbeitet wurde (s. Abschnitt 6.3.1). In Bezug auf das Problem kann die Rolle des Bildungsträgers beziehungsweise der entsprechenden Mitarbeitenden bilanziert werden. Der Kontakt mit dem Bildungsträger kann als die Lebenslage der Freiwilligen positiv beeinflussend benannt werden. Wichtig scheint dabei besonders eine Begleitung in Seminargruppen mit vielen anderen internationalen Freiwilligen und einer Seminarleitung, die selbst Erfahrungen mit längerem Auslandsaufenthalt hat. Die Schilderungen der Befragten verdeutlichen, dass der gute Wille eines Bildungsträgers der im Rahmen klassischer FWD-Konzeption nach JFDG/BFDG handelt zwar punktuell wirksam ist, aber die Freiwilligen sich trotzdem mit den diversen Herausforderungen und Belastungen alleingelassen fühlen. Die Wahrnehmung der Bildungsreferent*innen als freundschaftlich, hilfsbereit und beschützend (s. Abschnitt 16.2.2) kann eine geeignete Grundlage für eine intensivierte Beratung darstellen (vgl. Kruse 2021). Eindeutig wurde, dass Praxisvertreter*innen, Forschende und die Befragten selbst (s. Abschnitt 16.10) eine erweiterte besondere Form der pädagogischen Begleitung fordern – teilweise schon seit einem Jahrzehnt (vgl. Hielscher/Mildenberger 2015). Der Verfasser weist besonders auf die Möglichkeiten einer Sozialberatung und Beratungsformen hin, die in Migrationsprozessen unterstützen (s. Abschnitt 16.7.4). Die vorliegende Untersuchung deutet an, dass eine Erweiterung der pädagogischen Begleitung internationaler Freiwilliger für alle Dienstformen verbindlich in der strukturellen (gesetzlichen) Rahmung verankert werden sollte. Lempp sprach bereits 2013 davon, dass die FWD „obligatorisch mit Bildungselementen verknüpft“ sind (vgl. Lempp 2013, 615). Diese Verknüpfung soll an dieser Stelle problematisiert werden. Neben dem Konsens im Forschungsdiskurs zu individuellen Mehrwerten und Lern- beziehungsweise Bildungseffekten, sprachen auch die Befragten dieser Untersuchung wieder-holt von Bildungs- und Lernmomenten im ihren FWD. An dieser Stelle soll dennoch dafür plä-dieren, dass Erfahrungen von „Differenz-“ (vgl. Hinrichsen 2020), einem „Anderssein“ (s. Ab-schnitt 6), sich „einsam“ fühlen (vgl. Hielscher/Mildenberger 2015; s. Abschnitt 6.2.3.2), das Aushalten von Ambivalenzen (vgl. Mangold 2014; Schneider 2016) und die „Herausforderung des Alleinseins“ (vgl. Schneider 2016, 202-213; s. Abschnitt 6.2.2.1) nicht als Lernanlässe romantisiert werden. Im Fall der Befragten entsprechen diese Erfahrungen einer der FWD-Struktur inhärenten Konfrontation mit rassistischen Verhaltensweisen beziehungsweise Strukturen, hoher Arbeitsbelastung, Stress, Problemen mit Mitarbeitenden, finanzieller Notlage und psychischen Belastungen. Die Befragten sind sich dieser Missstände in der FWD-Struktur bewusst und reflektierten diese im Verlauf der PZIs; sie rechnen „Nachteile“ mit „Vorteilen“ auf: „es [FSJ machen] ist ((atmet aus)) heftig […] war hart, war schlecht, aber habe ich ge-schafft. Und jetzt gucke ich mich jetzt und sage, ja okay, habe ich ganz viele Sachen über mich gelernt“ (TN4, 20: 3-6), „Ja, es ist wie Lottospiel. Jemand hat Glück mit Einsatzstelle, mit Kollegen und Zeit. Jemand nicht, aber ich kann trotzdem doch empfehlen, weil am Ende gibt’s mehr Vorteile als Nachteile“ (TN3: 15-17). Bildung und Lernen sollte mehr sein als Leid ertragen und daraus Lehren ziehen. Eine strukturelle Rahmung, bei der sich Teilnehmende wie in einer Lotterie und diversen Belastungen ausgesetzt fühlen, kann nicht bedarfsgerecht konzipiert sein. Weiterführend zeigt diese Untersuchung, dass internationale Freiwillige die verschiedenen Belastungen und Risiken in-Kauf-nehmen, um mittel- bis langfristig in Deutschland leben zu können. Alle Befragten zielen auf das Absolvieren einer Ausbildung in Deutschland im Anschluss an den FWD ab (s. Abschnitt 16.9). Zwei Befragte formulieren eindeutig eine Migrationsabsicht (vgl. TN2 & TN3), während für zwei der Befragten die Zeit nach dem FWD noch nicht endgültig mit einer Zielsetzung versehen ist. Diese zwei Befragten äußern widersprüchliche Zukunftsvisionen (z.B. TN1 mit dem Traum vom Weltenbummeln, bei gleichzeitigem Traum, in Deutschland eine Ausbildung zu absolvieren und hier zu leben) und fokussieren sich primär auf die unmittelbare Herausforderung, einen Ausbildungsplatz zu finden (vgl. TN4). In weiterreichenden Forschungen wäre zu klären, inwieweit das Nutzen eines FWD als Aufenthaltsmöglichkeit (s. Abschnitt 16.9.1) und das anschließende Absolvieren einer Berufsausbildung, als Migration bezeichnet werden kann, oder ob weiterhin von einer „Migration auf Zeit“ gesprochen werden sollte, wie Bartels et al. es tun (vgl. Bartels et al. 2021, 9). Klar wurde, dass selbstorganisiert einreisende internationale Freiwillige in regulären Dienstformen nicht mit einer Ausreiseabsicht in den Dienst starten. Die durch die Gesetzgebung vorgegebene und im Forschungsdiskurs wiederholt aufgegriffene Fokussierung auf Bildung und individuelle Lernentwicklung (in Form von Motivations- Potential- und Wirkungsanalysen) scheint im Kontext von internationalen Freiwilligen unangebracht – bei aktueller struktureller Rahmung (es soll den Freiwilligen nicht das Recht auf Bildung abgesprochen werden, aber die aktuelle FWD-Praxis scheint für internationale Freiwillige kein adäquater Lernort zu sein). Ein Einbezug sozialarbeiterischer Interventionsformen (ggf. mit Einbezug sozialarbeiterischer Perspektiven auf Migration) wirkt notwendig, um die FWD für internationale Freiwillige zu einem Lernort zu machen, der gesetzlichen Zielsetzung entsprechend. Problematisiert werden muss zusätzlich die mangelhafte Implementierung der Arbeitsmarkneu-tralität, die nicht nur im Forschungsdiskurs thematisiert wird, sondern auch anhand dieser Erhebung erkennbar wird (s. Abschnitt 16.1.3). Deutlich wurde, dass die Bildungsträger zwar die Freiwilligen „schützen“ (und schützen müssen – vgl. Bonus/Vogt 2018, 81; Abschnitt 3.3), aber die Ressourcen dieser in der FWD-Praxis nicht ausreichen die Wahrung der Arbeitsmarkneutralität effektiv zu überprüfen. Besonders die Schilderung zu (vgl. TN3) und die Forderung nach mehr (vgl. TN2) Einsatzstellenbesuchen veranschaulichen dies. Auf dieser Untersuchung aufbauend könnte unter Berücksichtigung der den besonderen Incoming-Formaten entsprungenen Handlungsempfehlungen oder vereinzelt existierenden pädago-gischen Begleitkonzepten eine sozialarbeiterische Interventionsform oder ein Begleitprojekt konzipiert werden.de
dc.language.isodeen_US
dc.subject.ddc360: Soziale Probleme, Sozialarbeiten_US
dc.titleIndividuelle Lebenslagen von Internationalen Freiwilligen in FSJ und BFD in Deutschland : Herausforderungen für die Praxis ; eine qualitative Untersuchungde
dc.typeThesisen_US
openaire.rightsinfo:eu-repo/semantics/openAccessen_US
thesis.grantor.departmentFakultät Wirtschaft und Soziales (ehemalig, aufgelöst 10.2025)en_US
thesis.grantor.departmentDepartment Soziale Arbeit (ehemalig, aufgelöst 10.2025)en_US
thesis.grantor.universityOrInstitutionHochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburgen_US
tuhh.contributor.refereeWeidner, Jens-
tuhh.identifier.urnurn:nbn:de:gbv:18302-reposit-231952-
tuhh.oai.showtrueen_US
tuhh.publication.instituteFakultät Wirtschaft und Soziales (ehemalig, aufgelöst 10.2025)en_US
tuhh.publication.instituteDepartment Soziale Arbeit (ehemalig, aufgelöst 10.2025)en_US
tuhh.type.opusMasterarbeit-
dc.type.casraiSupervised Student Publication-
dc.type.dinimasterThesis-
dc.type.drivermasterThesis-
dc.type.statusinfo:eu-repo/semantics/publishedVersionen_US
dc.type.thesismasterThesisen_US
dcterms.DCMITypeText-
tuhh.dnb.statusdomainen_US
item.openairetypeThesis-
item.languageiso639-1de-
item.grantfulltextopen-
item.creatorGNDBröckel, Luca-
item.cerifentitytypePublications-
item.creatorOrcidBröckel, Luca-
item.openairecristypehttp://purl.org/coar/resource_type/c_46ec-
item.advisorGNDSchwarting, Frauke-
item.fulltextWith Fulltext-
Appears in Collections:Theses
Show simple item record

Google ScholarTM

Check

HAW Katalog

Check

Note about this record


Items in REPOSIT are protected by copyright, with all rights reserved, unless otherwise indicated.