| Title: | Lebensweltorientierte Gesundheitsförderung und Prävention für und mit Menschen im Party- und Festivalsetting : zur Anschlussfähigkeit des § 20a SGB V im Spannungsfeld sozialpädagogischer Lebensweltorientierung und rauschbezogener Freizeitkulturen | Language: | German | Authors: | Kessler, Sophie | Issue Date: | 6-Mar-2026 | Abstract: | In der Arbeit wurde das Spannungsverhältnis von Gesundheitsförderung und Prävention sowohl theoretisch als auch praktisch skizziert. Festgestellt wurde, dass das Verständnis von Gesundheit und Krankheit durch gesellschaftliche Individualisierungstendenzen beeinflusst wird, zeitgleich jedoch institutionell als auch theoretisch ein Aufbrechen der biomedizinisch geprägten Normvorstellungen erkennbar wird. Das Partysetting agiert als spezifischer Sozialraum – mit eigenen Routinen, Symboliken und Risikopraxen. Die aufgezeigten Dynamiken kollektiver Vergemeinschaftung, der Bedeutung des Körpers, sowie die Funktion von Ritualisierungen verdeutlichen ein Gesundheitsverhalten als Ausdruck der lebensweltlich verankerten Realitätskonstruktion der kulturellen Prozesse innerhalb des Alltagswelt der Party als auch der Verhältnisse im Allgemeinen. Demnach besteht ein Bedarf an gesundheitsfördernden und präventiven Maßnahmen, der jedoch nicht ohne Weiteres durch verhaltenspräventive, klassische Präventionsangebote erreicht werden kann. Es zeigt sich, dass gesundheitsbezogene Entscheidungen oft nicht gegen, sondern im Rahmen einer alltagspraktischen Logik getroffen werden – geprägt durch soziale Bedürfnisse, szenespezifische Routinen und strukturelle Bedingungen. Die räumliche und zeitliche Spezifik der „Party“ beinhaltet dabei enorme gesellschaftliche Ressourcen und ein starkes gesundheitsförderndes Potential, insbesondere in ihrer Unterstützung der individuellen und kollektiven Identitätsbildung, ihren heterotopen Eigenschaften und ihrer sinnstiftenden Form innerhalb der Alltagsbewältigung. Zugleich birgt das Umfeld gesundheitliche Risiken, welche sich sowohl auf direkt pathogene Ursachen wie Substanzkonsum und Schlafmangel zurückführen lassen, als auch auf schädigende Verhältnisse, die aus den Folgen der Illegalisierung bestimmter Substanzen, sozialen Dynamiken oder unzureichender infrastruktureller Gegebenheiten, resultieren. Festzustellen ist, dass professionelle Angebote derzeit nicht genügend auf die Ressourcen des Raumes und der Vergemeinschaftungen eingehen und vorrangig suchtbezogene, verhaltenspräventive Interventionen außerhalb von Lebenswelten entwickeln. Wenn Erkrankungen des chronisch-degenerativen Spektrums jedoch nicht monokausal zu erklären sind, ist ihre Prävention nicht nur anhand spezifischer Erkrankungen, sondern auch hinsichtlich einer offenen Gesundheitsförderung wichtig. Diese benötigt jedoch die Partizipation der Adressat:innen, eine fortlaufende, gute Koordinierung und die Befassung mit den jeweiligen Kontextbedingungen als potentiell gesundheitsförderlich. Peerarbeit hat hier ein großes Potenzial und zeigt in der Praxis und theoretischen Ausrichtung eine Verzahnung der Gesundheitsförderung und Prävention innerhalb der spezifischen Alltagswelt von Szenen. Jedoch fehlt es ihr an einer flächendeckenden finanziellen Absicherung, wodurch die Professionalität der Arbeit beeinträchtigt wird. Da die öffentliche Gesundheitsversorgung eine (Mit-)Verantwortung zur Ausgestaltung von gesundheitsfördernden Sozialräumen aufweist, um dadurch die Unterschiede in den Gesundheitschancen und die Individualisierung der Gesundheit zu vermindern, müssen zukünftig niedrigschwellige, zugängliche, lebensweltorientierte Unterstützungen ausgebaut werden, um das Ziel der gesundheitlichen Chancengerechtigkeit und -gleichheit zu bearbeiten. Dies wird insbesondere hinsichtlich der Unterversorgung des szenefernen Partysettings, aufgrund der Unterfinanzierung der selbstorganisierten Peerangebote und der aktuell bestehenden, professionellen Unterversorgung, deutlich. §20a SGB V stellt einen wichtigen ersten Schritt zur finanziellen und strukturellen Unterstützung sowie zur Vernetzung und zum Ausbau bestehender Instanzen dar. Momentan zeigt er jedoch keinen ausreichend genutzten Rahmen und verweist daher auf die Notwendigkeit einer aktiven Anteilnahme von Akteur:innen des Gesundheits- und Sozialwesens in der Entwicklung von Interventionen. Insbesondere bedarf es einer stärkeren Einmischung der Sozialen Arbeit in gesundheitspolitische Diskurse, um aus ihrer professionsspezifischen Perspektive heraus rechtsverbindliche, verhältnispräventive Maßnahmen mitzugestalten, die sich konsequent an den Lebenslagen und dem Wohlbefinden der Menschen orientieren. |
URI: | https://hdl.handle.net/20.500.12738/19017 | Institute: | Fakultät Wirtschaft und Soziales (ehemalig, aufgelöst 10.2025) Department Soziale Arbeit (ehemalig, aufgelöst 10.2025) |
Type: | Thesis | Thesis type: | Bachelor Thesis | Advisor: | Lehmann, Grit | Referee: | Weidner, Jens |
| Appears in Collections: | Theses |
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| Lebensweltorientierte Gesundheitsförderung und Prävention für und mit Menschen im Party- und Festivalsetting_BA.pdf | 1.36 MB | Adobe PDF | View/Open |
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