| Title: | Zwischen Klick und Kontakt : digitale Mediennutzung und soziale Entwicklung im Grundschulalter aus theoretischer Perspektive und empirischen Zusammenhängen | Language: | German | Authors: | Zeidler, Mareike | Issue Date: | 17-Oct-2025 | Abstract: | Aufbauend auf den zuvor dargestellten Erkenntnissen untersucht die vorliegende Arbeit den Zusammenhang zwischen der Nutzung digitaler Medien im Grundschulalter und der Entwicklung sozialer Kompetenzen. Auf Grundlage theoretischer Modelle sozialer Entwicklung und empirischer Befunde konnte gezeigt werden, dass digitale Medien sowohl förderliche als auch hemmende Einflüsse auf kindliche Sozialprozesse haben. Insgesamt bestätigt sich, dass ihre Wirkung stark vom Nutzungskontext, der Dauer und der pädagogischen Begleitung abhängt. Kinder, die digitale Geräte regelmäßig und weitgehend unbeaufsichtigt nutzen, zeigen häufiger Rückzugstendenzen und bevorzugen virtuelle Interaktionen gegenüber realen Begegnungen. Diese Entwicklung steht im Einklang mit theoretischen Annahmen, wonach soziale Lernprozesse im direkten Austausch entstehen und digitale Kommunikationsformen reale Interaktionserfahrungen nicht vollständig ersetzen können. Zugleich verdeutlichen die Ergebnisse, dass digitale Medien längst Bestandteil sozialer Zugehörigkeit geworden sind. Kinder ohne eigenes Gerät berichteten häufiger von Ausschlusserfahrungen, was darauf hinweist, dass digitale Teilhabe eine neue Dimension sozialer Integration darstellt. Für die pädagogische Praxis bedeutet dies, allen Kindern – unabhängig von familiären Ressourcen – Zugänge zu altersgerechten Medienerfahrungen zu eröffnen und sie zugleich für einen bewussten Umgang zu sensibilisieren. Kinder, die digitale Medien gemeinsam mit anderen nutzen und dabei pädagogisch begleitet werden, profitieren von sozialen Austauschprozessen und zeigen ein stabileres Kommunikationsverhalten. Medienpädagogische Konzepte, die auf gemeinsames Erkunden und begleitetes Spielen setzen, erweisen sich daher als besonders wirkungsvoll. Über die in dieser Arbeit untersuchten Zusammenhänge hinaus verweist der Gefährdungsatlas der Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz (BZKJ) auf weitere relevante Risiken im digitalen Raum (vgl. Brüggen et al., 2019, o. S.). Dazu zählen unter anderem sexualisierte Gewalt, exzessive Nutzung, Desinformation und unzureichende Schutzmechanismen (vgl. ebd., S. VI – VII). Diese Gefährdungsbereiche verdeutlichen die gesellschaftliche Relevanz einer frühen Förderung von Medienkompetenz. Schätzungen zufolge war bereits etwa ein Drittel der Jugendlichen zwischen zwölf und neunzehn Jahren von sexualisierter Gewalt im digitalen Raum betroffen (vgl. ebd. S. 87). Hinzu kommen Phänomene wie Kontrollverlust über Nutzungszeiten und emotionale Erschöpfung durch dauerhafte Erreichbarkeit (vgl. ebd., S. 117). Auch die Verbreitung von Desinformation, Fake News und Hate Speech wirkt sich zunehmend auf die sozialen und politischen Orientierungen junger Menschen aus (vgl. ebd., S. 137 f., 100 f., 107 ff.). Diese Befunde zeigen, dass Medienkompetenz zugleich eine Schutz- und Präventionsfunktion besitzt. Kinder, die Medieninhalte kritisch hinterfragen, Grenzen erkennen und Verantwortung übernehmen können, sind weniger anfällig für digitale Risiken. Die Aussagekraft der Ergebnisse ist jedoch durch einige methodische Grenzen eingeschränkt. Die relativ kleine Stichprobe von 57 Kindern sowie die Erhebung an nur einer Schule begrenzen die Übertragbarkeit der Befunde. Zudem basieren die Daten auf Selbstauskünften, die durch subjektive Wahrnehmungen beeinflusst sein können. Da die Untersuchung querschnittlich angelegt war, lassen sich keine Aussagen über längerfristige Entwicklungen oder Kausalzusammenhänge treffen. Trotz dieser Einschränkungen liefern die Ergebnisse wertvolle Hinweise auf den Zusammenhang zwischen digitaler Mediennutzung und sozialer Entwicklung im Grundschulalter und bieten Ansatzpunkte für weiterführende Forschung. Für die Profession der Kindheitspädagog:innen ergibt sich daraus ein klarer Handlungsauftrag. Als Bildungs- und Entwicklungsbegleiter:innen sind sie gefordert, Medienbildung als integralen Bestandteil ihres pädagogischen Handelns zu verstehen und Medienkompetenz gezielt zu fördern. Ihre Aufgabe besteht darin, Kindern Orientierung im digitalen Raum zu geben, Eltern in der Medienerziehung zu unterstützen und gemeinsam mit Schulen eine konsistente medienpädagogische Haltung zu entwickeln. Kindheitspädagog:innen benötigen daher nicht nur technisches Wissen, sondern vor allem sozialpädagogische und ethische Kompetenzen, um digitale Erfahrungen in Bildungsprozesse zu integrieren und Kinder in ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu stärken. Auf dieser Grundlage lassen sich mehrere zentrale Handlungsempfehlungen ableiten: Kinder sollten frühzeitig in gemeinsames, dialogisches Medienhandeln eingebunden werden – beispielsweise durch kreative Projekte oder gemeinsames Spielen. Eltern sollten über Chancen und Risiken digitaler Nutzung informiert und zu einer aktiven Begleitung angeregt werden. In der schulischen Zusammenarbeit ist Medienkompetenzförderung als Querschnittsaufgabe im Ganztag zu verankern, wobei Kooperationen zwischen Kindheitspädagog:innen und Lehrkräften besonders wertvoll sind. Darüber hinaus ist es wichtig, Räume für Reflexion zu schaffen, in denen Kinder über ihre digitalen Erlebnisse sprechen und Empathie im Online- Austausch entwickeln können. Nicht zuletzt braucht es kontinuierliche Fortbildungen für Fachkräfte, um ihre Handlungssicherheit im Umgang mit digitalen Herausforderungen zu stärken. Abschließend lässt sich festhalten, dass digitale Medien aus den Lebenswelten von Kindern nicht mehr wegzudenken sind und sowohl Chancen als auch Risiken für deren soziale Entwicklung bergen. Entscheidend ist, wie diese Medienerfahrungen pädagogisch begleitet werden. Für die Profession der Kindheitspädagogik bedeutet dies, Kinder aktiv auf ihrem Weg in digitale Erfahrungsräume zu unterstützen, sie zu befähigen und zugleich zu schützen. Zukünftige Forschung sollte emotionale und motivationale Aspekte der Mediennutzung noch stärker in den Blick nehmen, da erste Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen längeren Medienzeiten und emotionalen Belastungsreaktionen bestehen. Medienkompetenzförderung im Grundschulalter ist damit keine zusätzliche Aufgabe, sondern ein wesentlicher Bestandteil professioneller pädagogischer Arbeit. Nur durch eine reflektierte, wertorientierte und sozial eingebettete Medienerziehung kann es gelingen, Kinder zu stärken und sie in ihrer sozialen Entwicklung verantwortungsvoll zu begleiten. |
URI: | https://hdl.handle.net/20.500.12738/19356 | Institute: | Fakultät Wirtschaft und Soziales (ehemalig, aufgelöst 10.2025) Department Soziale Arbeit (ehemalig, aufgelöst 10.2025) |
Type: | Thesis | Thesis type: | Bachelor Thesis | Advisor: | Alt, Katrin Saskia |
Referee: | Weidtmann, Katja |
| Appears in Collections: | Theses |
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