| Titel: | Zwischen Hilfe und Kontrolle – Hebammen im Spannungsfeld von Aufklärung, Prävention und Asylrecht bei FGM | Sprache: | Deutsch | Autorenschaft: | Koch, Kamilla | Erscheinungsdatum: | 17-Dez-2025 | Zusammenfassung: | FGM ist in Deutschland klar als schwere Verletzung grundlegender Rechte eingeordnet, sowohl strafrechtlich als auch im Rahmen des Flüchtlingsschutzes, dennoch zeigt die Literatur, dass Betroffene den ihnen zustehenden Schutz in den meisten Fällen nicht erhalten. Sprach- und Informationsbarrieren, unsichere Identifikationsprozesse, hohe formale Anforderungen im Asylverfahren sowie eine unzureichende Sensibilisierung zentraler Akteur* innen führen dazu, dass geschlechtsspezifische Verfolgung häufig nicht benannt, nicht erkannt und nicht konsequent berücksichtigt wird. Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass rechtliche Normen allein nicht ausreichen, um Betroffene und Gefährdete von FGM wirksam zu schützen, wenn diese nicht von zugänglichen, vertrauensbasierten und traumasensiblen Strukturen unterstützt werden. Hier setzt die Arbeit an, indem sie zeigt, dass Hebammen durch ihre kontinuierliche Begleitung in Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett, ihrem Wissen zu FGM und ihrer Erfahrung im Umgang mit intimen und schambesetzten Themen eine zentrale Schnittstellenfunktion einnehmen könnten. Hebammen könnten Betroffene niedrigschwellig informieren, Belastungen und Gefährdungslagen frühzeitig wahrnehmen, bedarfsgerecht zu spezialisierten Beratungsstellen, psychologischer Unterstützung oder rechtlicher Beratung weitervermitteln und damit dazu beitragen, Schutzpotenziale im Asylsystem überhaupt erst nutzbar zu machen. Voraussetzung dafür sind eine vertiefte Auseinandersetzung mit FGM und Asylrecht in Aus- und Fortbildung, klare Kooperationswege mit relevanten Einrichtungen sowie zeitliche und strukturelle Ressourcen, um diese Aufgaben verantwortungsvoll wahrzunehmen. Die theoretische Analyse macht zugleich sichtbar, dass die hier beschriebenen Möglichkeiten der Hebammentätigkeit strukturelle Defizite im Asyl- und Gesundheitssystem nicht beheben können, sondern diese nur punktuell abfedern. Notwendig sind deshalb sowohl eine konsequente Umsetzung geschlechtsspezifischer Schutzstandards im Asylverfahren als auch der Ausbau unabhängiger, kultursensibler Beratungsangebote, in die Hebammen als spezialisierte Ansprechpartner*innen eingebunden sind. Angesichts der begrenzten Datenlage zu FGM im Asylkontext und zur tatsächlichen Rolle von Hebammen sind die herausgearbeiteten Handlungsmöglichkeiten als fundierte, aber vorläufige Orientierung zu verstehen, die in zukünftigen empirischen Studien mit Fachpersonen und Betroffenen überprüft und weiter präzisiert werden sollten. Damit leistet die Arbeit einen Beitrag dazu, FGM als Querschnittsthema von Menschenrechten, Asylpolitik und geburtshilflicher Versorgung zu verorten und die besondere Verantwortung der Hebammenprofession in diesem Feld sichtbar zu machen. |
URI: | https://hdl.handle.net/20.500.12738/19566 | Einrichtung: | Fakultät Wirtschaft und Soziales (ehemalig, aufgelöst 10.2025) Department Pflege und Management (ehemalig, aufgelöst 10.2025) |
Dokumenttyp: | Abschlussarbeit | Abschlussarbeitentyp: | Bachelorarbeit | Betreuer*in: | Diemert, Anke | Gutachter*in: | Hansen, Gudula |
| Enthalten in den Sammlungen: | Theses |
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| Zwischen Hilfe und Kontrolle - Hebammen im Spannungsfeld von Aufklärung, Prävention und Asylrecht bei FGM_BA.pdf | 298.66 kB | Adobe PDF | Öffnen/Anzeigen |
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