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Title: Mental Health First Aid (MHFA) im Hochschulkontext: Wahrnehmung, Anwendung und Reichweite des Programms an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW Hamburg) – eine qualitative Untersuchung aus der Sicht geschulter MHFAs
Language: German
Authors: Orlova, Yevheniia 
Keywords: Wahrnehmung des MHFA-Programms; Handlungskompetenz; Barrieren und fördernde Faktoren; Inanspruchnahme und Sichtbarkeit; Transfer in die Praxis
Issue Date: 25-Mar-2026
Abstract: 
Hintergrund: Die psychische Gesundheit von Studierenden kann, gleichermaßen wie die körperliche Gesundheit, Krisen erleiden. Im Hochschulkontext sollte so gehandelt werden, dass größere Gefahren, wie auch mit „klassischer“ Ersten Hilfe, erkannt und adressiert werden sowie der psychische Gesundheitszustand gefördert und wiederhergestellt wird. Das Mental Health First Aid (MHFA)-Programm an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW Hamburg) hat genau dies als Ziel, jedoch ist bisher unklar, wie sich die Implementierung und die wahrgenommene Wirkung aus Sicht relevanter Akteur*innen gestaltet. Deswegen wurden in dieser Arbeit die folgenden Forschungsfragen empirisch untersucht: (1) Wie wird das MHFA-Programm von geschulten Studierenden wahrgenommen und welche Veränderungen zeigen sich in Bezug auf Wissen, Haltung und Handlungssicherheit?, (2) Wie setzen geschulte Studierende ihre Kenntnisse im Alltag um und welche Barrieren sowie fördernde Faktoren beeinflussen die praktische Anwendung?, (3) Wie häufig und in welchem Umfang werden die MHFA-Angebote an der HAW Hamburg genutzt und welche Hinweise ergeben sich zur Sichtbarkeit und zu den Handlungsmöglichkeiten aus Sicht der Befragten? Methodik: Zur Bearbeitung der Forschungsfragen wurde ein qualitativer Forschungsansatz gewählt, um die Sicht der relevanten Akteur*innen besser erfassen zu können. Die Datenerhebung erfolgte mittels leitfadengestützter Interviews mit sieben MHFA-geschulten Studierenden, um deren Erfahrungen und Wahrnehmungen differenziert zu erfassen. Die Auswertung der Daten erfolgte anhand der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring, mithilfe der Software „QCAmap“. Ergänzend wurden standardisierte Daten erhoben zur Stichprobenbeschreibung und Kontextualisierung der Aussagen.
Ergebnisse: Die Interviewdaten wurden nach den Prinzipien der zusammenfassenden Inhaltsanalyse mit induktiver Kategorienbildung nach Mayring ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen, dass das MHFA-Programm durch die geschulten Studierenden gewinnbringend angewendet wird: (1) Das MHFA-Programm wird von geschulten Studierenden als sehr hilfreich wahrgenommen und es werden vielfältige positive Veränderungen in Bezug auf Wissen & Haltung (102 Nennungen) und Handlungssicherheit (67 Nennungen). (2) Die geschulten Studierenden setzen ihre Kenntnisse im Alltag der Hochschule und im Arbeitskontext (28 Nennungen), und in ihrem Privatleben, die Typischen Anwendungen von MHFA (34 Nennungen) beziehen sich auch auf die Anwendungen im Familiären-, Freundschafts- sowie Beziehungskontext ein, was auf hilfreiche Transferoptionen hindeutet. Herausforderungen und Barrieren (52 Nennungen) in der Anwendung wurden u.a. darin gesehen, dass es Unsicherheiten im Handeln (mit Erfahrung einhergehend) bestanden oder kein subjektiv wahrgenommener Bedarf erkannt wurde. Fördernde Faktoren für die praktische Anwendung wurden vor allem darin gesehen, dass MHFA kein Einzelprogramm ist und dass es Unterstützungsstrukturen sowie Faktoren vorhanden sind, die die Anwendung erleichtern (32 Nennungen), bspw. CamPuls, Peer-to-Peer, weiteren Angeboten und Apps, die synergetische Effekte ermöglichen. (3) Wie häufig und in welchem Umfang die MHFAAngebote an der HAW Hamburg genutzt werden, variierte stark in Abhängigkeit davon, ob die Studierenden gezielt angesprochen wurden (6 Nennungen), ob sie als MHFA-Ersthelfer*innen bekannt waren oder sie selbst proaktiv auf Kommiliton*innen zugegangen sind, und zwar von einmaliger Anwendung bis hin zu sehr regelmäßigen Einsätzen bzw. mehrmals pro Woche als MHFA aktiv zu sein. Insgesamt wurden 53 Nennungen im Zusammenhang mit der Bekanntheit und Sichtbarkeit des Programms erfasst. Dabei zeigen sich Unterschiede zwischen den einzelnen Departments. Vereinzelt wurden zudem Hinweise zur Verbesserung formuliert, die potenziell zur Erhöhung der Reichweite sowie zur stärkeren Einbettung in die Hochschullandschaft beitragen können (31 Nennungen). Insgesamt wurden 18 Nennungen, dass die Mehrheit der Befragten das Programm weiterempfiehlt sowie Interesse, an den MHFA-Kursen teilzunehmen hat. Handlungsmöglichkeiten aus Sicht der Befragten liegen in der praktischen Umsetzbarkeit und typischen Einsatzsituationen: Das strukturierte Ansprechen und weitere Methoden, wie die „5-4-3-2-1-Methode“, ROGER-Prinzip, Erkennung von Symptomen, das Zeigen von Empathie (verbal und nonverbal), werden als handlungsleitende Instrumente positiv evaluiert. Einsatzsituationen sind sowohl spontan, wenn ein Zwischenfall auftritt, als auch präventiv, wenn noch keine akute Krise aufgetreten war.
Schlussfolgerungen: Das MHFA-Programms an der HAW Hamburg leistet einen wichtigen Beitrag, die psychische Gesundheit bei Krisen zu schützen und zu fördern. Ansatzpunkte für die Weiterentwicklung und bestehende Bedarfe im hochschulischen Kontext liegen in den Bereichen einer flächendeckenden Ausbildung von MHFA-Ersthelfer*innen (Studierender) möglicherweise als Teil des regulären Studiums, eine stärkere Entstigmatisierung, so dass Hilfe angenommen wird und eine noch intensivere Vernetzung der verschiedene Akteur*innen und Angebote, so dass mögliche Doppelstrukturen zu synergetischen Potentialen umgenutzt werden.
URI: https://hdl.handle.net/20.500.12738/19844
Institute: Fakultät Gesundheit 
Type: Thesis
Thesis type: Bachelor Thesis
Advisor: Lippke, Sonia  
Referee: Haufs, Michael 
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