| Title: | Zur Inszenierung medialer Behinderungsdiskurse : eine qualitative Analyse der Darstellung inklusiver Theaterproduktionen in Theaterkritiken | Language: | German | Authors: | Lausen, Lone | Issue Date: | 17-Sep-2025 | Abstract: | Im Verlauf dieser Bachelor-Thesis wurde herausgearbeitet, wie zentral die Rolle der Medien für die gesellschaftliche Wahrnehmung von Menschen mit Behinderung ist. In den Medien wird oft eindimensional über Behinderung berichtet, wodurch stereotype Vorstellungen verstärkt und verfestigt werden. Gleichzeitig wurde gezeigt, wie schwierig es ist, ein realitätsnahes Bild von Menschen mit Behinderung zu entwickeln, wenn Berührungspunkte im Alltag fehlen. In diesem Kontext bieten Orte wie inklusive Theater eine besondere Chance, um direkte Begegnungen zu ermöglichen. Sie fördern ein differenziertes Verständnis und tragen dazu bei, Vorurteile und stereotype Darstellungsweisen aufzubrechen, die sich wiederum in medialem Diskurs zeigen können. Durch die Analyse und den anschließenden Vergleich der ausgewählten Theaterkritiken konnte die Forschungsfrage beantwortet werden, welche normativen und ableistischen Vorstellungen der Gesellschaft sich in den Kritiken widerspiegeln. Inklusive Theaterproduktionen werden in Theaterkritiken ambivalent dargestellt: Einerseits erfahren sie zunehmend Anerkennung als künstlerisches, ernsthaftes und ästhetisch relevantes Format. Andererseits sind die Darstellungen weiterhin stark von normativen und ableistischen Sichtweisen geprägt. Die dominierenden Darstellungsweisen sind rührselig, außerordentlich exotisierend oder sensationshaft nach Garland-Thomson. Realitätsnahe Repräsentationen, die Behinderung als selbstverständlichen Teil kultureller Vielfalt zeigen, sind immer noch selten. Daraus lassen sich folgende gesellschaftliche Vorstellungen ableiten: Behinderung wird weiterhin als Abweichung von der Norm wahrgenommen und Menschen mit Behinderung gelten nach wie vor nicht als eigenständige politische Subjekte. Zwar lässt sich in den letzten fünf Jahren eine wachsende Sensibilisierung widerfinden, die gerade in Zusammenhang mit anderen gesellschaftlichen Entwicklungen gebracht werden kann, paternalistische Untertöne bleiben jedoch erhalten. Bei einer längeren Befassung mit dem Thema der medialen Darstellung von Menschen mit Behinderung wäre ein interessanter Blick gewesen, sich mit anderen (Print)-Medien zu befassen und hier die Unterschiede herauszuarbeiten. Während Theaterkritiken meist für ein kulturell interessiertes Publikum geschrieben werden, stellt sich die Frage, wie sich die Darstellung für ein breiteres Publikum unterscheidet. Werden Stereotype hier stärker reproduziert oder anders formuliert? Eine weitere offene Forschungsfrage, die sich ergeben hat, ist, wie Theaterkritiken diverser gestaltet werden können. Eine Möglichkeit wäre, Menschen mit Behinderung selbst stärker als Kritiker*innen einzubeziehen um neue Perspektiven auf inklusive Theaterproduktionen sichtbar zu machen. Damit würde auch die Repräsentation von Menschen mit Behinderung in der Kultur erweitert werden. Dies entspricht dem Grundsatz der Disability Studies: „Nothing About Us Without Us!“ Abschließend und in Anknüpfung an Brechts Worte, dass Theater nicht daran gemessen werden darf, ob es die Gewohnheit seines Publikums befriedigt, sondern ob es sie verändern vermag (vgl. Brecht, 1971), zeigt sich: Inklusive Theater besitzen genau dieses transformatorische Potenzial. Doch diese Veränderung entsteht nicht einseitig. Damit sie wirksam wird, braucht es ein Publikum und eine Gesellschaft, die bereit sind, sich einzulassen. Erst wenn Inklusion als selbstverständlicher Teil unseres kulturellen Alltags begriffen wird, kann dieses Potenzial seine volle Wirkung entfalten. |
URI: | https://hdl.handle.net/20.500.12738/19266 | Institute: | Fakultät Wirtschaft und Soziales (ehemalig, aufgelöst 10.2025) Department Soziale Arbeit (ehemalig, aufgelöst 10.2025) |
Type: | Thesis | Thesis type: | Bachelor Thesis | Advisor: | Tiedeken, Peter | Referee: | Hagen, Jutta |
| Appears in Collections: | Theses |
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